FASCIAL COACH
FASCIAL COACH  

3 Hüllen-System

Geben Sie sich bitte einmal der Vorstellung hin, dass unser Körper grob gesehen 3 "Hüllen" anhat, bevor sich die bekannte Muskulatur mit den zugehörigen Sehnen als Kraftüberträger an unseren "passiven Bewegungsapparat" - das Skelett anfügt.

Diese Hüllen vernetzen sich von aussen nach innen: Die Haut, die oberflächliche Faszie (Fascia superficialis) und die tiefliegende Faszie (Fascia profunda). Die Faszien, kollagenhaltige, bindegewebige Strukturen, verzweigen sich unendlich in unserem Körper. Sie umhüllen unsere Organe, polstern und formen, stützen und schützen uns von innen. Sie nehmen jede Körperbewegung wahr und leiten bzw. verteilen diese auf die umliegenden Faszien und Muskeln. Die Muskeln bestehen ihrerseits aus Hüllen, die sich aus der Sehne weiter und weiter verzweigen und so den Muskelbauch formen und seine Funktion (Kontraktion = Krafterzeugung durch zusammenziehen der Muskelfasern und Relaxation = Entspannen der Muskelfasern) sicherstellen.

Rezeptoren

Was aber die Faszien für uns bedeuten, wurde erst in der jüngeren Zeit erforscht. Man weiß heute, dass sich gerade in der oberflächlichen Faszienschicht viele Rezeptoren befinden, die unserem Körper Einflüsse wie Druck, Zug, Vibration, Wärme und Kälte sowie Schmerz melden. Gerade die Schmerzmeldung (Nozizeption) spielt für uns eine wichtige Rolle, denn der über die freien Nervenendigungen gemeldete Schmerz stellt unser inneres Warnsignal dar. Fasziale / bindegewebige Schmerzen können häufig von verfilzten Gewebestrukturen herrühren. Diese "Verfilzung" (Fibrotisierung) der Faszien entsteht durch einseitige oder fehlende Bewegungsabläufe oder Schonhaltungen des Körpers. Je mehr sich die Strukturen verfestigen, desto größer wird die Druckbelastung auf die betroffenen Rezeptoren und freien Nervenendigungen. Als Folge reagieren diese mit Schmerz und sensorischen Instabilitäten, die durch gezieltes Training sehr gut reduziert werden können.

 

Zellerneuerung

Training ist nicht nur zur Schmerzvermeidung oder -reduzierung wichtig, es stellt sicher, dass unsere kollagenen Fasern im Körper einem stetigen, gesunden Erneuerungsprozess unterliegen. Die "Produzenten" neuer Fasermoleküle (vorrangig Kollagen) heißen Fibroblasten. Sie schütten die wichtigen Bausteine für unser faseriges Bindegewebe aus und benötigen zur Arbeitsmotivation Druck- und Zugbelastungen in Kombination mit ausreichenden Ruhephasen. Unter Belastung wird altes Kollagen abgebaut, um dann in den Ruhephasen neu und elastisch aufgebaut zu werden. Da der Abbau eine Kollagenschuld erwirkt, findet ein Faseraufbau über das Ausgangsniveau hinaus statt um so erneuten "Schulden" zu entgehen. Ein ständiger Reizprozess, der aber einen sehr positiven Körpernutzen haben kann. In der Abb. ist dieser Prozeß erkennbar: (a) Start; (b) Trainingsende (c) Regeneration mit Mehrproduktion (d) optimaler Trainingsneustart (e) verebbende Produktion bei fehlender Reizsetzung.

 

Als alltagsnaher Vergleich dient eine hungrige Kinderschar, die sich bei Ihnen spontan zum Essen eingeladen hat. Sie werden die Leckereien aus ihren Vorräten an die hungrigen Mäuler verfüttern und dann die leeren Schränke in der Zeit nach dem Essen wieder auffüllen müssen. Fehlte nun bei der Mahlzeit etwas, werden Sie es für das nächste Mal sicher vorrätig haben... 

Unwucht?!

 

Ein kleiner Selbstversuch zum Verständnis Ihres körperlichen Systems!

Ziehen oder knüllen Sie, so wie Sie jetzt gerade sitzen oder stehen, einmal eine Stelle Ihres Pullovers, Hemdes oder T-Shirts zusammen. Fertig? Schön! Was spüren Sie? Der gezogene/geknüllte Teil scheint nicht halb so präsent, wie die daraus resultierenden Zuglinien, die jetzt eventuell an der Schulter oder anderen Stellen Spannung erzeugen. Genau so verhält es sich in Ihrem faserigen Bindegewebsnetzwerk. Dieses Verbindungsnetzwerk wird in Leitbahnen eingestuft, die durch eine Verklebung / Verfilzung einen Schmerz auslösen, der an ganz anderer Stelle seinen Ursprung haben kann. Es lohnt sich daher, den Körper im Verlauf seiner Leitbahnen zu trainieren, um entstandene "Unwuchten" systematisch aufzulösen. 

Form follows function! (FFF-Prinzip)

Die Form folgt der Funktion! Diese Aussage findet nicht nur in der Architektur und im Produktdesign Anwendung. Auch der menschliche Körper folgt einer funktionellen Architektur, die leider häufig durch Fehl- und Minderbelastungen strukturell beeinträchtigt wird. Die Folge: Die gewünschten Bewegungsmuster leiden und die betroffenen Strukturen passen sich neuen, negativen Mustern an. Die bereits erwähnte "Unwucht"!

Haben Sie einmal versucht, wirklich alle beweglichen Strukturen Ihres Körpers systematisch in alle funktionell möglichen Richtungen zu bewegen? Probieren Sie es sanft mit weichen Bewegungen aus! Sie werden wahrscheinlich feststellen, dass es Bewegungsmuster gibt, die sich „unrund“ oder steif anfühlen, bei wiederholtem Üben jedoch einen weichen und angenehmen Bewegungsprozess ermöglichen. Ein klarer Fall von fehlbelasteten oder ungenutzten Funktionskapazitäten mit seinen strukturellen, faszialen Verklebungen. Diese Strukturen werden einer täglichen, mobilisierenden Körperreise dankend zustimmen.

Unsere Theorie: Eine funktionelle Förderung des Körpers sollte auf das FFF-Prinzip aufgebaut sein, um eine gesunde, positive körperliche Anpassung zu erreichen.

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